
Textmanege -
das unabhängige Literaturmagazin.
September 2024
In eigener Sache
Von den Textmanege-Herausgebern Aufgrund einer schweren Erkrankung (Leberkrebs) und Bettlägerigkeit von Johannes kann die Textmanege auf unbestimmte Zeit nicht mehr erscheinen. Die September-Textmanege wird zunächst mal die letzte Ausgabe der Textmanege sein. * 31.08.2024 -Johannes Morschl (Herausgeber) und Benjamin Wulff (Mit-Herausgeber und Gestalter der Website)
ICD-10 F32
Von Klaus Frenzel F32.0Der Tag heute, eine Fahrtmit Handbremse angezogenMüdigkeit holt mich einschon nach kurzer StreckeFarben beginnen zu verblassen F32.1Heute war der Tag ein Kampfdie Lust am Leben schwindetder Alltag überwältigt michbis auf weiteres krankgeschriebenunter Menschen sein – ein SpiessrutenlaufGraue Brillemein neuer Look F32.2Heute war es schlicht erdrückendleblos, wie verdorrtes Gemüselag ich in der Ecke,…
der lauf der zeit
Von Heinz Erich Hengel der lauf der zeitoder:der pferde zeiten teil 1) tageszeiten das morgengrauen: das fell des pferdes beginnt sich zu verfärben. am vormittag: auf dem pferd erwacht der schatten. zu mittag: dann des pferdes schatten ist am kürzesten. nachmittags: auf dem pferd erwacht die müdigkeit. die abendzeit: auf dem rücken des pferdes erstrahlt…
Ohne Titel
Von Hans Peter Flückiger «Guten Tag, Polizeikontrolle.Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte.Schnüffel – haben Sie getrunken?Steigen Sie bitte aus und blasen sie in dieses Röhrchen.» * © Text und Bild: 2024, Hans Peter FlückigerAlle Rechte vorbehaltenhttps://geschichten-gegen-langeweile.com
Klagelieder - ein Akrostichon
Von Hans Peter Flückiger Der Zusammenhang von Kolonialismus, Handelsströmen und Geldflüssen ist omnipräsentUnd Dröhnen, das physisch spürbar ist, stammt tief aus der Erde von LagosNeue Werkprozesse. Kupfer, nicht erst in der Gegenwart ein unverzichtbarer RohstoffJede Installation kann als ein Kapitel verwobener Geschichte(n) gelesen werdenAuf verschiedenen Ebenen wird die Biene Hauptakteurin des Raumes, ohne präsent zu…
Froschkönig 2.0
Von Hans Peter Flückiger Sagt der Froschkönig:«Ja, ich bin ein verwunschener Prinz.Aber küssen sie mich nicht.Meine Frau und Kinder sind Fröschen.» * Bild: Ausschnitt aus Objekt Army of Frogs, 2018-2020 aus der Ausstellung Dunja Herzog, Kunstmuseum Solothurn, 2. Juni bis 6. Oktober 2024 © Text und Bild: 2024, Hans Peter FlückigerAlle Rechte vorbehaltenhttps://geschichten-gegen-langeweile.com
Das Gebet für einen goldenäugigen Mönch
Von Pawel Markiewicz Als mein Hund in der Agonie, im Sterben lag, verstand ich plötzlich, dass mir keine katholische Religion zu helfen vermag. Mir und dem Hund können keine lügnerischen Heiligen der Kirche helfen, die mit ihrer Heiligkeit überaus prahlen. Ich wollte zu Buddha überkommen. Ich studiere seit einigen Tagen die Lehre Buddhas. Ich will…
ANDERS SEIN
Von Oliver Fahn In der frühesten Dämmerung lastete die Bettdecke mit dem Gewicht eines Planeten auf Leons Beinen. Jene Schwere kam ihm entgegen, denn es bereitete ihm grundsätzlich Schwierigkeiten, seinen Körper angemessen wahrzunehmen. Vielfältige Gedanken überlagerten sein physisches Empfinden. Unentwegt fluteten irgendwelche nur scheinbar belanglosen Überlegungen seinen Geist. Dadurch war er häufig verwirrt und die…
Eine regnerische Reise
Von Dario Schrittweise Der Tag neigte sich dem Ende entgegen. Regentropfen perlten von der Glasscheibe des Zugabteils ab. Sie klangen wie kleine Kristalle, die klangvoll gegen einen gefrorenen Wasserfall klopften. Der Hochgeschwindigkeitszug beschleunigte.Keynan war in Gedanken vertieft. Er fühlte sich alleine im Abteil. Nur die Schaffnerin hatte seine Grübelei unterbrochen, als sie vor einer Stunde…
Vergeblich
Von Karen Schröder VergeblichEh die Winde diese dunkleSchönheit ihren violetten Trichteröffnen kann, macht sie in derNacht der Regen platt * © 2024 Karen Schröder (Text & Bild)Alle Rechte vorbehalten
Fort muss ich zu mir
Von Karola Meling Fort muss ich – zu mir Ich hab meine Augen mit Wirklichkeit gewaschen:Vorbei die Schönfärberei!Denn alle bunten Farbtöpfe sind leer –Farbreste zusammengekratzt: Grauflecken entstehen. Auf der Suche nach meinen Farben muss ich fort:Gegen jede Augenwischerei! Der Wald steht mir Modell – ein Natur-Akt am RandDas Gänseblümchen pflück ich für eine PaletteWeiß und…
Zugeständnis
Von Karola Meling Im Alter ist alles gesagt – was gesagt werden mussteDie Mundwerkzeuge geben Ruh - sofern der Waise auch Narr ist, Doch im Schweigen liegt die Last vergangener StimmenDie Vergangenheit ein Koloss, der Gegenwart zusammendrücktDenn mit fremden Stimmen redete ich mich einst um Kopf und Kragen, Die Gegenwart ist nicht mehr! Denn im…
Was man noch alles über Nietzsche erfahren kann
Von Michael Wiedorn Ich stieg in den frühen Abendstunden die Steintreppe im Rathaus Steglitz hoch. Ich betrat ein Zimmer mit etwa zehn für Erwachsene etwas zu kleinen Schulstühlchen. Die anderen Kursteilnehmer waren schon da. Das Thema des Volkshochschulkurses war „Nietzsche in der heutigen Welt“. Ein gemütlich beleibter Herr in Mittelren Jahren mit Hornbrille und braunem…
Von Mauern fliegen Vögel zum Fluss
Von Michael Wiedorn Von Mauern fliegen Vögel zum Fluss. Träge ruht das stumme Wasser.Blumen auf der Oberfläche sinken auf Grund. Fichtengrün verschluckend den Flug der Vögel. Abgemagert zu Skeletten. Aus dem Kreidezeitalter. Lange vor meiner Geburt versanken sie tief.Ich lebe nicht wie die Frauen auf den Straßen. Aufsteigend zum Himmel.Ich versinke tief, immer tiefer. Telefonierend…
Ich war einmal ein Indianer
Von Michael Wiedorn Es war in den allerersten Jahren meiner Kindheit. Ich muss gerade den Windeln entwachsen sein. Diese Erinnerung ist fast im Brutwasser ertrunken. Der Februar versank im dichten Schnee. Es war Faschingsdienstag. Wir fuhren in einem mit aufgeheiterten Personen überfüllten Auto vor einem Gasthof in den bayrischen Alpen vor. Vielleicht war es auch…
Einsicht in die Notwendigkeit
Von Michael Wiedorn Wann lernte meine Mutter ihren späteren Mann kennen? Sie erzählte nie davon. Es war kein Ereignis, das sie erwähnenswert fand. War es ein Tag den sie sich nicht weiter merkte? Die Begegnung mit einem unscheinbaren Menschen an einem langweiligen Tag, wie es so viele gibt. Ein farbloser, junger Mann, strebsam und zielbewusst…
Auseinander gelebt
Von Werner Siepler Ein Ehepaar ist in die Jahre gekommenund hat nicht nur an Weisheiten zugenommen,außerdem das leibliche Wohl nicht vergessen,manchmal dann etwas zu viel trinken und essen. Da diese Genüsse auf die Hüften gehen,sind ihre Rundungen kaum zu übersehen.Dennoch sie ihr Selbstbewusstsein nie verlieren,diesen Makel einfach schlichtweg ignorieren. So sehen Beide keinen Grund sich…
D e r P a n t o f f e l h e l d
Von Werner Siepler Er ist selbstbewusst und ein starker Mann,sein Licht nicht unter den Scheffel stellt.Ihn recht selten mal was erschüttern kann,in dieser Rolle sich gut gefällt. Seine Worte haben immer Gewicht,hasst unendliches lamentieren.Andere Meinungen duldet er nicht,diese ihn kaum interessieren. Doch zu Hause hat die Frau das Sagen,hier ein scharfer Wind von vorne wehtund…
D a s P a p i e r
Von Werner Siepler Den Werkstoff Papier man aus Holz produziertund als Massenware dann anpreisen wird.Papier bedruckt hergerichtet werden kann,bringt so Bücher und Zeitungen an den Mann.Außerdem eignet sich Papier allemal,als diverses Verpackungsmaterial.Mancher mit Papiertüchern die Nase putzt,selbst als Klopapier wird der Werkstoff benutzt.Folglich der Klopapierumsatz enorm steigt,schließlich jeder hieran Interesse zeigt.So ist diese Papierart extrem…
Die Falschmelder
Von Gerald Marten Ich saß im Arbeits- und Wäschetrocknungszimmer am Computer, tippte einen Text oder googelte Diverses, als es plötzlich piepte, schrill piepte, nur einmal. Ich blickte irritiert auf, blickte mich um. Piepte der Computer? Piepte draußen ein Vogel vorm Fenster? So schrill? Was sollte das wohl für ein Vogel sein. Ein dem Sportplatz im…
5 neue Aphorismen
Von Gerald Marten Weisheit kommt immerfünf Minuten zu spät.Dummheit ist pünktlich+Fürchtet nicht die Führer.Fürchtet die Gevolkschaft+Plan B ist wiePlan A plus Hoffnung.Das Alphabet der Plänesollte stets vorrätig sein+Angesichts der Nachrichtengönne ich mir die Mutmaßung,ein Alien zu sein.Oder die Nachrichten sind es+Man muß nicht Gastin jedem Hause sein * © 2024 Gerald MartenAlle Rechte vorbehalten
Strandgut
Von Gerald Marten Wo der Wellen Strandung und der Möwen Landung nach dem Höhenflug, ihr war´s nie genug Dünen ihr zur Seite wehten in die Weite, die so nah wie fern, gleich dem Sonnenstern Strandgut war ihr Leben, salzig ihr gegeben, in die Welt gespült, nie den Strand gefühlt Ihr Gemüt der Schwere sehnte sich…
Pausenbrot
Von Lena Kelm Nach dem Besuch der Neuen Gemäldegalerie in der Nähe des Potsdamer Platzes beschließen meine Freunde Marina, Joachim und ich einen kleinen Imbiss zu uns zu nehmen und dabei die Eindrücke über die Ausstellung auszutauschen. An einem der ersten warmen Frühlingstage sind die wenigen Restaurants am Potsdamer Platz überfüllt. Letztendlich entscheiden wir uns…
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In eigener Sache
Aufgrund einer schweren Erkrankung des Herausgebers Johannes Morschl fällt die Textmanege bis auf weiteres aus.
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